Balladen

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Volks- und Kunstballaden: Lieder, die Geschichten erzählen

Von den Nibelungen bis zu den Beatles

Die Ballade kann als Krone des Volksliedes angesehen werden und war in ganz Europa verbreitet. Der Begriff hat eine fast tausendjährige Geschichte und wird auch heute noch, inhaltlich abgewandelt, in der Popmusik verwendet. Das Wort Ballade ist vom ital. ballare = springen, tanzen abgeleitet.  Es handelte sich also um ein Lied, das von einem Tänzer vorgetragen wurde, wobei wahrscheinlich oft ein Refrain mitgesungen werden konnte. Rhythmus und Reim  halfen, die oft ziemlich langen Texte zu memorieren. Vorläufer waren Heldenepen wie das Hildebrandlied. Bis ins 20. Jhdt. hat sich der Kreistanz mit Balladengesang in Skandinavien erhalten.

Ihre große Bedeutung hat die Ballade durch die beeindruckenden Inhalte bekommen. Balladen erzählen Geschichten, enthalten action und große Gefühle, handeln von Liebe, Treue,Verrat.Das Strafgesetzbuch fände reiche Anwendung: Raub, Erpressung, Entführung, Mord sind an der Tagesordnung, Kerker, Verbannung oder Galgen die üblichen Strafen. Die Personen sind oft Adlige - oder Räuber, mindestens eine/r ist jung, schön, stark usf. Oft wird in der letzten Strophe eine Moral ausgedrückt. Epik, Lyrik, Dramatik - alle dichterischen Formen werden genutzt. Wegen des stark erzählerischen Charakters sind Balladen häufig länger als andere Lieder.
Die Sprache hat ähnliche Eigenheiten wie beim Märchen: Gut und Böse, Treu und Falsch sind klar festgelegt; Wiederholungen werden gezielt eingesetzt, magische Zahlen wie 3 und 7 spielen eine Rolle. Symbole, etwa der grüne Kranz und der goldene Ring, verweisen auf eine tiefere Bedeutung. Die Macht des Schicksals, das Unausweichliche verleiht der Geschichte ihre Tragik. Das Verständnis der Sprachbilder ging im Lauf der Zeit verloren, so dass sinnentstellende Veränderungen nicht ausblieben.

Der englische Sammler Cecil Sharp vermutete, die Ballade sei historisch vor dem Aufkommen des Volksliedes anzusiedeln. Letzteres sei subjektiver und freier in der Form. Die Volksballaden waren anonymen Ursprungs, wurden mündlich überliefert und dementsprechend abgewandelt. Sie lassen sich grob in historische (Schinderhannes) und romantische (Lind im tiefen Tal, s.u.) einteilen. Auch christliche Themen kamen vor. Das Auftreten von Mächten der anderen Welt (Feen, Elfen, Hexen) verweisen auf starke Wurzeln in heidnischer Zeit. Man darf annehmen, dass in Balladen wie auch in Märchen und Sagen das kollektive Unbewusste zum Ausdruck kam. Sie alle trugen dazu bei, das Bild der sozialen Umwelt und der eigenen Geschichte zu entwerfen. Tom der Reimer lebt als Held eines schottischen Elfenmärchens, einer Volksballade  - und eines Kunstliedes von Carl Loewe zu einem Text von Theodor Fontane.

Gedruckte Blätter mit neu geschriebenen Balladen-Texten zu aktuellen Ereignissen waren ab dem 16.Jahrhundert zur Unterhaltung recht beliebt. Sie konnten oft mit einer verbreiteten Melodie unterlegt werden. Die Moritaten- oder Bänkelsänger bedienten mit ihren blutrünstigen Stoffen das Sensationsbedürfnis, ähnlich wie heutzutage die Boulevardpresse.  

Wenn wir in Deutschland Ballade hören, denken wir aber eher an den Goethes Erlkönig (1782). Die Kunstballade erreichte im 18./19. Jahrhundert höchstes literarisches Niveau und große Popularität.Vertont von romantischen Komponisten erhielten sie eine musikalische Form, die weit von den volksmusikalischen Ursprüngen entfernt war. Weiterhin bezogen sich deutsche Dichter auf die Gattung der Ballade, von Heinrich Heine bis zu Kästner, Tucholsky, Ringelnatz und Brecht. Die Generation der Liedermacher mit Wolf Biermann oder Reinhard Mey nutzte ebenfalls diese Form. 

Die Volksballade führte, anders als auf den britischen Inseln (s.u.), eher ein Schattendasein. Im „Zupfgeigenhansel“, dem zu Anfang des 20. Jhdts. ungemein populären Liederbuch der Wandervogelbewegung, sind noch 28 Balladen in einem eigenen Kapitel verzeichnet, etwa die von den zwei Königskindern. Sie entsprechen aber nicht immer den Kriterien, etwa weil sie zu neu geschriebenen Melodien gesungen wurden. Die Verse und Melodien sind schlicht. Die vorgegebenen Noten und Akkorde für die Gitarrenbegleitung lassen wenig Raum für Variation und Entfaltung des einzelnen Sängers.

Einige der oben genannten Merkmale sind im folgenden Text zu finden , der  im Zupfgeigenhansel erschien. Die Zuschreibung der Geschlechterrollen wäre eine eigene Untersuchung wert. Die Trennung der Liebenden geht in der angloamerikanischen Ballade Lord Lovell tragischer aus. (s.u.) 

Es stand eine Lind im tiefen Tal

1. Es stand eine Lind im tiefen Tal,
war oben breit und unten schmal.

10. „Heute sind’s drei Wochen und sieben Jahr,
 dass mein Feinslieb gewandert war.“
 

2. Darunter zwei Verliebte saßn
und die vor Liebe ihr Leid vergaßn

11. „Gestern bin ich geritten durch eine Stadt,
da dein Feinsliebchen Hochzeit hat gehabt.
 

3. „Feinslieb wir müssen voneinander,
ich muss noch sieben Jahre wandern.“

12. Was tust du ihm denn wünschen an,
dass er seine Treue nicht gehalten hat?“
 

4. „Musst du noch sieben Jahre wandern,
heirat ich doch keinen andern.“

13. „Ich wünsche ihm so viel Glück und Segen
als Tröpflein von dem Himmel regnen.“
 

5. Und als die sieben Jahre umme warn,
sie meint, ihr Liebchen käme bald.

14. Was zog er von dem Finger sein?
Einen Ring von rotem Golde fein.
 

6. Sie ging wohl in den Garten,
ihr Feinslieb zu erwarten.

15. Er warf den Ring in ihrem Schoß,
sie weinte, dass das Ringlein floss.
 

7. Sie ging wohl in das grüne Holz,
da kam ein Reiter geritten stolz.

16. Was zog er aus seiner Taschen?
Ein Tuch schneeweiß gewaschen.
 

8. „Gott grüß dich, du hübsche, du feine,
was machst du hier alleine?

17. „Trockn ab, trockn ab dein Äugelein,
du sollst fürwahr mein eigen sein.
 

9. Ist dir dein Vater oder deine Mutter gram,
oder hast du heimlich einen Mann?“

18. Hättest du mir einen Schwur oder Fluch getan,
so wär ich gleich geritten davon.“


In den sogenannten Küchenliedern, sentimentalen Rührstücken der weiblichen  Dienstboten, lebte etwas von der Balladentradition fort. „Mariechen saß weinend im Garten...“ Der Pfad der direkten Überlieferung verliert sich im Trivialen.

Im Gegensatz zu den Texten waren die Melodien lange kaum ein Gegenstand der Forschung. Dabei müssen sie ursprünglich abwechslungsreich und melodisch interessant gewesen sein. Da es sich  um ein europäisches Phänomen handelt, ist dieser Rückschluss von den britischen Balladen  zulässig. Sie wurden fast immer in einer Kirchentonart gesungen. Manchmal variierte die Melodie von Strophe zu Strophe (The Trees they do grow high). Das Metrum war nicht festgelegt, auch ungerade Rhythmen wie 7/4 oder 9/4 - Takt traten auf.

Trotz unterschiedlicher Sprachen und Dialekte können die Britischen Insel als zusammenhängendes Balladen - Gebiet gesehen werden. Die Ortsnamen wechselten von London zu Dublin oder Edinburgh, die Geschichten der Lords und Ladies blieben. Das Grenzgebiet zwischen England und Schottland brachte einen besonderen Reichtum an Balladen hervor. 
Balladen wurden und werden in Irland und Großbritannien oft noch heute unbegleitet gesungen. Dies ermöglicht größere Freiheit des persönlichen Ausdrucks und Variationsbreite. Es erfordert aber auch mehr Aufmerksamkeit vom Hörer und mehr Respekt vor der Kunst des Sängers.

 In England und Schottland erwachte das Interesse der Sammler zur gleichen Zeit wie bei Herder in Deutschland. Thomas Percy publizierte seine Relics of Ancient English Poetry 1765. Der einflussreichste Balladenforscher und -sammler war allerdings Amerikaner: der Harvardprofessor Francis James Child veröffentlichte The English and Scottish Popular Ballads 1882-98. Er hatte 20 Jahre an vorbereitender Arbeit investiert, da er bestrebt war, jede existierende Variante aufzuzeichnen. Die von Child angelegte Nummerierung der Balladen ist noch heute in Gebrauch. 

In den USA entwickelte sich die von den Einwanderern mitgebrachte Ballade weiter. Das auftretende Personal war der neuen Umgebung angepasst, der Rahmen blieb.  "Frankie and Johnny" entspricht den klassischen Liebes- und Mörderballaden, statt Robin Hood betreiben nun Jesses James und Pretty Boy Floyd die Umverteilung von oben nach unten. Auch in Australien ist die "bush"-Ballade noch lebendig, z.B. mit dem Räuber Ned Kelly.

Die deutsche Folkbewegung der Siebziger tat sich schwer mit dem gestelzten Deutsch, den Inhalten und der Moral der Balladen, die so wenig Bezug zur Gegenwart hatten. Sie spielten daher im hiesigen Folk-Revival eine untergeordnete Rolle. Den erhobenen Zeigefinger überließ man den aktuellen Texten der politischen Liedermacher.
 In der Rockmusik bezeichnet der Begriff oft einfach ein langsames Stück. Von Lennon's "Ballad of John and Yoko" bis zu "Hotel California" (Eagles) lassen sich Einflüsse der Tradition deutlich erkennen.

  Ballads through the Ages: Songs that tell a Story

From Lord Lovell to Jesse James

 The term ballad can be traced back to the Middle Ages when it described a song sung by dancers (italian ballare = dancing).  One would sing the verse, the others join in the chorus. Rhyme and rhythm helped to remember the lyrics. The ballad owed its great success to its impressive contents. Ballads tell stories, there is a lot of action and emotion, love, faith, betrayal. Penal laws could often be applied:  robbery, blackmail, abduction, murder are the order of the day, prison, transportation or 'the gallows tree' common punishment. The last verse often expresses a moral of the story. Verse, epic tale, dramatic dialogue - all literary genres are employed. The acting persons are often noblemen and -women, - or robbers - at least one of them is young, handsome, strong etc. Because of their narrative character ballads tend to have a lot more verses than other songs.
 The language was specific just as in fairy-tales: lips are 'ruby' red, horses are 'milk' white. Repetitions and 'magic' numbers like 3 and 7 are also used. The power of destiny gives the story its tragic touch. The understanding of some metaphors got lost over the centuries and the meaning got distorted. 

The English song collector Cecil Sharp assumed that the ballad was a fore-runner of the folk song which he describes as being more subjective and freer in its form. Folk ballads were of  anonymous source. They were transmitted orally and thus subject to change. They can roughly be divided into historic (Bonnie Prince Charlie) and romantic (Lord Lovell, below) topics. Christian themes also occured during early centuries (Dives and Lazarus). Beings from the Otherworld (elves, witches, fairies) point towards strong roots in heathen times.  We can assume that as in fairy tales ballads expressed the communal subconsciousness.  They served to provide an image of the social surroundings and history. Thomas the Rhymer is alive as the hero of a scottish fairy tale, a folk ballad - and a romantic art song composed by Carl Loewe to the lyrics written by Theodor Fontane.

From the 16th century onwards printed broadsheets with probably newly written ballad lyrics provided popular entertainment. They could usually be sung to a well-known tune and catered for the same interest as the yellow press does today. 

Despite differing dialects and even languages the British Isles can bee seen as one connected ballad territory. Tunes and tales travelled easily. Place names changed from London to Edinburgh to Dublin town while the story of lords and ladies stayed essentially the same. The Border area in the north of England proved to be the most fruitful ground for ballads. I doubt that there are many exclusively Irish traditional ballads, as opposed to rebel songs. 
Ballads used to be, and often still are, sung unaccompanied. This implies more freedom of personal expression and variation. It also demands full attention of the listener and generates respect for the art  of the singer.  

 In Britain collectors took an interest at the same time as Herder in Germany - in the 2nd half of the 18th century. Thomas Percy published his Relics of Ancient English Poetry in 1765. The most influential was an American though: Harvard professor Francis James Child published The English and Scottish Popular Ballads 1882 - 98. It had taken him 20 years of work to prepare as he strived to obtain every possible  variation. Child attached numbers to his material which are still in use today. See the Contemplator's page.

The following version of Lord Lovell was collected in the USA. The theme is related to the one of the German ballad above: two lovers are separated and the return of the man causes a dramatic incident.

Lord Lovell  

1. Lord Lovell he stood at his castle door
A-stroking his milk-white steed.
The lady Nancy came riding by
All looking for Lovell was she.
 

6. So he ordered the grave to be open wide,
And the shroud to be laid aside,
And there he kissed her cold clay lips
While the tears came trickling down. 

2. "And where are you going, Lord Lovell," she cried,
"Oh where are you going," cried she.
"I'm going away for a year and a day
"Far countries for to see."
  

7. The Lady Nancy, she died today,
Lord Lovell he died tomorrow;
The Lady Nancy she died of true love,
Lord Lovell he died of true sorrow. 

3.)He'd hardly been gone a year and a day
Far countries for to see,
When languishing thoughts came into his mind
Concerning his lady Nancy.

8. And they buried him in St. Patrick's church,
And they buried her in the choir.
And out of her bosom there grew a red rose,
And out of her lover's a briar.
 

4. So he rode and he rode on his milk-white steed
Till he came to London Town;
And there he heard St. Patrick's bell
And the people a-mournin' around.
 

9. And they grew and they grew to the church steeple top,
Till there they could grow no higher;
So there they entwined in a true lover's knot,
For all true lovers to admire.
 

5. "Is anyone dead?" Lord Lovell, he cried,
"Is anyone dead?" cried he.
"A noble lady's dead," the people replied,
"They call her Lady Nancy."
 

  

 

In Germany the ballad was very successfully adopted by well-known authors during the 18th and 19th century.  Art ballads like Goethe's Erlkönig (1782) reached international acclaim.  Romantic composers also inspired by folk song wrote tunes to them which were  far removed from the traditional origins. Up to the 20th century German poets used the form of the ballade, from Heinrich Heine to Bert Brecht. 

As opposed to the lyrics the tunes were given little attention by scholars. Going on recordings and notes from collectors they must have been varied and interesting. British ballads would be sung to modal tunes. Sometimes the melody varies from verse to verse (The Trees they do grow high). The metre wasn't fixed either, uneven rhythms like 7/4 or 9/4 were not uncommon. 

ein Schuss, ein Kuss - wenige Balladen sind gewaltfreiIn the USA the immigrants and their descendants developed the ballad to match their new surroundings. The acting persons changed, the framework stayed the same.  "Frankie and Johnny" resembles the classic tales of love and murder. Instead of Robin Hood  Jesses James and Pretty Boy Floyd 'take from the rich and give to the poor'. In Australia the "bush" ballad is still popular e.g. about the outlaw Ned Kelly.

Ballads were noticeably a part of the anglo-american folk revival from the 1950s and 60s onwards. Joan Baez recorded traditional ballads ('Mary Hamilton'), Bob Dylan wrote new ones e.g. 'Ballad of Frankie Lee and Judas Priest'. The Clancy Brothers who brought Irish songs to the attention of the American public via TV were  adressed as ballad singers. Within rock music 'ballad' usually just means a slow song with a lot of expression. 

 

 

Video: Martin Carthy and Dave Swarbrick performing 'Sovay' in 1989

My favourite ballad recordings

I enjoy unaccomanied singing live but I admit that recorded it may sound a bit dull. These versions are more easily accessible.

Annachie Gordon Nic Jones Classic love ballad from Scotland sung to inimitable percussive guitar accompaniment
The Green Bed Oyster Band John Jones' superb singing is close the source singers' style while the keyboard really rocks  
Dives and Lazarus June Tabor with the Oyster Band Lyrics are mediaeval, the tune is known as  'Star of the County Down',  the brass section adds a big-band like groove and the duet of J. Tabor with J. Jones is unbeatable
The Trees They Do Grow High Altan feat. Paul Brady  Girl is made to marry a boy far younger than herself - one of the most wide-spread British ballads, a sung dialogue with very clever acoustic treatment
Tam Lin Fairport Convention feat. Sandy Denny  Young man has to break the magic of  the elves and is saved by his loving girl. Early masterpiece of folk rock. The eery mood and the sheer power of S. Denny's voice are unmatched.

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